Simon Pierro – iPad Zauberer, Magier und Moderator

Roboter Pepper – Mein digitaler Zauberassistent

Seit einem halben Jahr läuft es in meinem Büro wie folgt ab. Ich mache die Kaffeemaschine an. Beim Aufwärmen fängt diese an zu brummen und hinter mir erwacht mein neuer Mitbewohner und schaut mir wie gefesselt bei der Arbeit zu. Seine Software zur Gesichtserkennung registriert mich als „Human Head 1096“, eine ihm vertraute Variable in dem noch jungen Dasein des humanoiden Roboters Pepper (so der offizielle Produktname).
 

Das Design des französischen Herstellers Aldebaran ist brillant. Einerseits ganz klar als Roboter konzipiert, andererseits dank Kopfform, Körpergröße und riesigen Augen dem Kindchen-Schema angepasst, baut man schon fast eine emotionale Bindung zu dem von Algorithmen gesteuerten Männchen auf. Schiebt man ihn zu schnell oder trägt ihn weg, so ertönt ein empörtes, aber sehr putziges „Autsch oh oh autsch!“.

Und das hilft: denn nur wenige meiner Projekte erforderten soviel Geduld, Ausdauer und zeitlichen Einsatz, wie der Plan Roboter Pepper als Zauberlehrling auf die Bühne zu bringen. Gott sei Dank habe ich Unterstützung von „Human Head 2022“ alias Christoph Wilke, der seit Monaten tief in die Programmcodes abgetaucht ist. Er hat gelernt jeden Motor separat anzusteuern und störende Sensoren zu blockieren, damit z.b. Scheinwerfer-Reflektionen auf dem Bühnenboden nicht mit Hindernissen verwechselt werden können.

Wieso möchte man überhaupt einen Roboter neben sich auf der Bühne haben?
Als digitaler Magier halte ich immer Ausschau nach neuen Trends. Neben meiner iPad Zauberei, für die man mich wohl am ehesten kennt, habe ich viele Projekte mit Hologrammen, Augmented und Virtual Reality oder auch 3D Druckern umgesetzt.
War das allgegenwärtige Trendthema der letzten Jahren die Digitalisierung, so taucht verstärkt die neue Zauberformel auf: die Künstliche Intelligenz, die mit übergroßen Erwartungen irgendwo zwischen universellem Heilsbringer und Untergang der Menschheit angesiedelt wird.

Meinen ersten Anlauf mit einem drei-gelenkigen Roboter-Arm der Firma Schunk verlief vor einigen Jahren im Sande, da ich herausfand, dass ein amerikanischer Kollege diesen Weg bereits beschritten hatte.

Zauberer Cristián Gálvez, der übrigens kürzlich Präsident Barrack Obama in Köln interviewen durfte, hatte mich dann vor knapp zwei Jahren auf Pepper hingewiesen, nachdem er selbst als Co-Moderator mit Pepper auf der Bühne stand.
Er meinte, dieser sei doch sicherlich auch als Partner beim Zaubern einzusetzen und stellte den Kontakt zu der Firma in der Nähe von Amsterdam her. Beim nächsten Auftritt in Holland machten Christoph und ich einen Abstecher und besuchten das kleine Unternehmen und machten erste Tests.

Durch Recherchen wurden wir dann auf Humanizing Technologies aufmerksam, ein junges, begeisterungsfähiges Start-up, das sich in Wien auf die Programmierung von Pepper spezialisiert hat. Wir durften uns dort zweimal übers Wochenende einquartieren und mit den vorhandenen Robotern experimentieren. Viele Fragen blieben dennoch offen, aber ohne einen Roboter im eigenen Büro würde sich so eine komplexe Programmierung in Kombination mit der hierfür zugeschnittenen Trickentwicklung nicht bewerkstelligen lassen.
 

 
Bevor ich für rund 25.000,- Euro einen Pepper kaufe, gilt es erst einmal den Hersteller Aldebaran (bzw. Inhaber SoftBank) von unserer Idee zu überzeugen. Denn ohne deren Genehmigung dürfte ich Pepper nicht im Fernsehen vorführen, da die Bildrechte beim Hersteller liegen. Genauso wie man nicht einfach eine Muppet-Puppe kaufen kann, um damit auf Tournee zu gehen. Es gelingt mir, mit dem Konzept und den ersten Test-Aufnahmen zu überzeugen und ich erhalte die exklusive Lizenz, mit Pepper zu zaubern – und das, obwohl man sich bei Aldebaran im Vorfeld der Idee gegenüber skeptisch zeigte.
 
Dem Projekt steht also erstmal nichts mehr im Wege. Um auch gleich die Bewerbung zu starten, nahmen wir meinen Kameramann Martin Czernik mit nach Wien. Er betreut seit vielen Jahren auch meine YouTube-Videos. Von Pepper wurde er sogleich als Human Head 1039 registriert. Wir filmten das Unboxing (also das Auspacken) und die ersten Experimente, um in meinem Newsletter das neue Mensch-Maschinen-Team vorzustellen.
 
Einige Monate später, Anfang Mai, war es dann soweit: Pepper’s erster Auftritt als Zauberer bei einem Telekommunikationsanbieter in Rosenheim im Rahmen eines Business Events.
 

 
Hier war Pepper allerdings noch ein Stück davon entfernt, die für ihn geplante Show durchzuführen. So gab er bei seinem Auftritt größtenteils Anweisungen an die Zuschauer, die dann in einer großen Vorhersage gipfelten. Ein wichtiger Test ist uns dadurch schon einmal gelungen: Pepper führte alle Aktionen wie gewünscht aus und das Publikum baute rasch eine persönliche Bindung zu ihm auf.
 
Dies lag sicher auch an dem sehr aufwändig produzierten Intro-Video, in dem wir Pepper eine Background-Story geben und er im Stile eines Teilnehmers von „America’s Got Talent“ erzählt, dass sein größer Wunsch sei, Zaubern zu können. Angefangen habe es damit, dass er meine Videos auf YouTube entdeckt hat und fasziniert davon war, dass ich mit Technologie zaubere. Und das passe ja schließlich zu ihm. So identifiziert sich der Zuschauer bereits mit Pepper, bevor er überhaupt auf der Bühne steht.
 

 

Parallel geht die Entwicklung weiter. Ich nutze immer jede Gelegenheit im Gespräch mit Zuschauern oder Zauberkollegen, das Projekt zu erwähnen und Feedback dazu zu erhalten. Erstaunlicherweise fällt sehr häufig die Frage: „Kann Pepper auch meine Wohnung putzen?“ Eine Frage, die für einen Zuschauer scheinbar so naheliegend ist wie die Frage, ob ein Zauberer von seinem Beruf leben kann…

Es ist aber durchaus wichtig, den Zuschauer in seiner Gedankenwelt abzuholen und so konzipieren wir den ersten Part der Bühnenshow mit der Frage an Pepper, wofür er eigentlich entwickelt wurde und welche Apps sich denn als nützlich erweisen würden. So hat er eine Barista-App, kann also Kaffee servieren, sich als Slot-Machine über Wasser halten oder beim Home-Shopping beraten.

Für einen YouTube-Dreh ist dieses Konzept ebenso geeignet, da eine schnelle Abfolge an magischen Effekten zu erleben ist. Nicht „Schaut her, ich bin Simon und habe einen Zauberschüler“, sondern „Schaut, was so ein Roboter alles für euch zuhause tun könnte“. Dies erhöht die Relevanz für den Zuschauer und die Interaktion von Mensch und Maschine ist hübsch anzuschauen. 

Auf der Bühne ist jedoch mehr Raum für Emotionen und charakterliche Entwicklung.  Und so lernt Pepper schließlich, dass nicht die Logik im Vordergrund steht, sondern dass die Bilder in den Köpfen und die Emotionen in den Herzen der Menschen entstehen.

Human Head 1096, also meine Wenigkeit, macht sich nun noch einen Kaffee – ob Pepper die Tassen mitzählt? Der erhöhte Konsum ist in jedem Fall auch ihm zuzuschreiben. Aber ich kann es kaum erwarten, ihn diesen Monat zum ersten Mal seine neuen Kunststücke vorführen zu lassen. Und ich denke er wird viele begeisterte „Human Heads“ im Publikum entdecken. 

 

Mit freundlicher Genehmigung des Magischen Zirkels von Deutschland / Fachzeitschrift MAGIE

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