Donald Duck als Zauberlehrling 2.0

Ein Ritterschlag! Ein Kindheitstraum! Simon Pierro ist nun eine Comicfigur!

Es gibt „Spielstätten“, die erscheinen unerreichbar. Von einem Auftritt im Duckburg-Theater in Entenhausen wagt man nicht einmal zu träumen. Das hieße ja, dass man eine Rolle in einer Micky Maus-Ausgabe bekommt. Simon Pierro ist genau das gelungen.

In der Micky Maus-Ausgabe 20/2026 ist er zu erleben. Sein Assistent ist niemand Geringeres als Donald Duck, und die Anlehnung an Goethes Ballade vom Zauberlehrling aus dem Jahr 1797 ist eine feine. Die Fachzeitschrift „Magie“ berichtet:

Ein Auftritt im Duckburg Theater

Simon Pierro kann auf eine Reihe ungewöhnlicher Auftrittsorte zurückblicken. Er trat bereits im Inneren der Tower Bridge in London, im Burj Al Arab in Dubai und im Heiligen Affenwald auf Bali auf. Besonders außergewöhnlich war ein privater Auftritt im Wohnzimmer eines Scheichs: Vor 25 Gästen präsentierte er seine Magie und übergab anschließend an Star-Tenor Andrea Bocelli.

Mit dieser weiteren Station hatte jedoch selbst er wohl nicht gerechnet: dem Duckburg Theater in Entenhausen.

Bereits auf dem Cover ist einer seiner Effekte mit zwei iPads zu sehen: Simon greift in ein Tablet, aus einem zweiten erscheint seine Hand wieder und stibitzt dem verblüfften Donald die Mütze vom Kopf.

Im Inneren des Hefts findet sich eine sechseitige Geschichte, an deren Entwicklung Simon Pierro selbst beteiligt war. Sie gliedert sich in zwei Teile: Zunächst ist Simon als „duckifizierte“ Version seiner selbst zu sehen, also in Entenform. Er wird aus der 3D Printer Illusion gedruckt und zaubert anschließend vor tosendem Publikum einen Tennisball aus dem Tablet. Auch seine bekannte Bier-aus-dem-iPad-Illusion findet Eingang in die Geschichte, hier allerdings mit Entenhausener Blubberlutsch, also Limonade.

Digitalmagier Simon Pierro begeistert das Publikum in Entenhausen im neuen Micky Maus Magazin

Nach dem Auftritt bittet Simon Donald Duck, die Requisiten aufzuräumen, und lässt ihn allein zurück. Donald sieht sich natürlich zu Höherem berufen und träumt bereits davon, mithilfe des Zauber-iPads Geldscheine erscheinen zu lassen. Also greift er selbst zum iPad und es beginnt, was man wohl am treffendsten als „Zauberlehrling 2.0“ beschreiben kann: Die Online-Zaubergeister, die Donald ruft, wird er so schnell nicht mehr los.

Wie aber kommt ein Magier eigentlich zu einem Auftritt in Entenhausen? Welcher Agent vermittelt Shows im Duckburg Theater? In diesem Fall beruhte das Geheimnis weniger auf Zauberei als auf gutem Networking und Beharrlichkeit.

Bereits 2022 war Simon Pierro beim sogenannten CEO Circle von Disney in München engagiert, einer Veranstaltung im Vorfeld des 100-jährigen Disney-Jubiläums. Im Anschluss ging es mit den Teilnehmern auf das Oktoberfest.

Dort erzählte Pierro auch von seiner Sammelleidenschaft und davon, wie er als kleiner Junge über Flohmärkte zog: im Gepäck eine selbst gezeichnete Liste, so groß wie ein Zeichenblock, mehrfach gefaltet und fein säuberlich in Spalten unterteilt. Darauf konnte er abhaken, welche der 52 Ausgaben eines jeden Micky-Maus-Jahrgangs seit 1952 ihm noch fehlten.

Hätte ihm damals jemand gesagt, dass er eines Tages gemeinsam mit Donald Duck auf der Titelseite erscheinen würde, hätte er es wohl kaum geglaubt.

Doch selbst als Jörg Risken (Publishing Director Magazines beim Egmont Ehapa Verlag) ihm beim Anstoßen sagte, man könne ja einmal über eine Kooperation nachdenken, rechnete Simon noch nicht ernsthaft damit, dass sich dieser Kindheitstraum tatsächlich erfüllen würde. 

Es dauerte dann auch nochmals fast drei Jahre bis das Projekt weiterverfolgt wurde.

Im Videocall mit Johannes Kanty, seit 25 Jahren bei Ehapa und derzeit verantwortlicher Redakteur des Micky Maus Magazins, stimmte die Chemie sofort und man wurde schnell kreativ. Dabei war rasch klar, dass die Tricks aus dem reichen Fundus von Simon Pierros Karriere als iPad-Magier stammen sollten. Gleich zwei Zeichner waren an der visuellen Umsetzung beteiligt: Fernando Güell für das Cover und Ferran Rodriguez für die Story.

Für Rodriguez, der seit Jahren für das Micky Maus Magazin zeichnet, lag die besondere Herausforderung darin, Simons digitale Illusionen in einzelne Comicbilder zu übersetzen. Während sich ein Schwebeeffekt oder die aus dem iPad fließende Limonade vergleichsweise direkt darstellen lassen, verlangte etwa die Banane aus dem Bildschirm einen Griff in die zeichnerische Trickkiste. Rodriguez arbeitete hier mit Bewegungslinien, um sichtbar zu machen, dass die Banane gerade erst aus dem iPad in Simons Hand gewandert ist, ohne zuvor tatsächlich auf dem Bildschirm zu sehen gewesen zu sein.

Simon beschreibt die Entstehung an der Geschichte als einen Prozess, der sich ein Stück weit mit der Entwicklung einer Zaubernummer vergleichen lässt: Zunächst wird möglichst viel Material gesammelt, anschließend wird radikal vereinfacht. In einer frühen Fassung waren noch die Panzerknacker involviert, die das iPad stehlen, um an Onkel Dagoberts Geldspeicher zu gelangen. Später fokussierte sich die Handlung konsequent auf das Zusammenspiel zwischen Donald Duck und Simon Pierro.

Auch eine kleine Verbeugung vor dem Disney-Klassiker „Fantasia“ ist enthalten: Am Ende wird ein Besen aus dem iPad gezaubert, eine charmante Anspielung auf Mickys berühmten Auftritt als Zauberlehrling im Jahre 1940.

Für Simon war es ein großes Highlight, dass er in jede Stufe des Entstehungsprozesses eingebunden wurde. 

Und auch Simons fünfjährige Zwillinge kamen hierbei als Zielgruppen-Test zum Einsatz. Besonders lustig fanden sie z.B. die Szene, in der Donald versucht, mit dem Finger den Zapfhahn zu stoppen, während die Limonade unaufhörlich weiterfließt. Auch die Gesundheits-App, die Donald erst wie eine Mumie in Bandagen einwickelt und anschließend rasant wieder auswickelt, kam hervorragend an.

Spätestens da war klar: Man war auf der richtigen Spur.

Mit seinem Auftritt in Entenhausen und der Geschichte, die international veröffentlicht wird, bewegt sich Simon Pierro einmal mehr an der Schnittstelle von Magie und Popkultur.

Schon in der Vergangenheit war er unter anderem der Protagonist einer in den USA aufgezeichneten LEGO Kampagne und trug den Titel „Official Angry Birds Magician“, als er für die erfolgreiche Videospielserie virale Clips produzierte.

Und das, obwohl er sein Kerngeschäft eigentlich als Magier im seriösen Business-Kontext sieht. Wie passt das zusammen? Dazu sagt er selbst:

„Bis heute schreiben mir Menschen, die vor zehn oder fünfzehn Jahren meine Videos auf YouTube gesehen haben, wie sehr diese ein Teil ihrer Kindheit waren. Das schmeichelt mir natürlich. Gleichzeitig widerspricht es meinem Kerngeschäft nicht. Einmal wurde ich in Las Vegas für Oracle gebucht, trat nach dem CEO vor 6.000 Zuschauern auf, gefolgt von Justin Timberlake. Wie es dazu kam? Der Sohn des CEOs hatte ein Video der Angry-Birds-Kampagne gesehen und es seinem Vater gezeigt. Zudem sind die Kinder von heute die Kunden und Partner von morgen.“

100 Ausgaben des Magazins erhält Simon Pierro zur eigenen Verwendung. 2.000 Exemplare hat er zusätzlich bestellt. Hier hat vermutlich nicht der Business-Magier entschieden, sondern der kleine Micky-Maus-Sammler von damals.

Artikel: Michelle Spillner / MZvD

Foto: Ehapa/HolgerUlrich

Copyright: Disney / Egmont Ehapa Media